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Zu Gast in Großwaltersdorf.de

Ein Dorf im Erzgebirge, seine Geschichte und was man hier erleben kann.

Großwaltersdorf im Erzgebirge bei Dämmerung
Großwaltersdorf im Erzgebirge bei Dämmerung.

Orte mit gleichem Namen

Großwaltersdorf im Erzgebirge ist nicht der einzige Ort dieses Namens. Es gibt einen weiteren mit fast gleichem Namen und zwei, die früher so hießen. Ihre Geschichten führen mitten ins 20. Jahrhundert.

Walterkehmen in Ostpreußen, heute Olchowatka

Der Ort an der Rominte, zwölf Kilometer südöstlich von Gumbinnen, hieß von 1938 bis 1946 offiziell Großwaltersdorf. Die evangelische Kirchengemeinde wurde 1607 gegründet, die erste Kirche 1717 gebaut. In der Schlacht bei Gumbinnen im August 1914 wurde sie zerstört und 1925/26 wieder aufgebaut. 1933 hatte der Ort gut 500 Einwohner.

Umbenannt wurde er 1938, als die Nationalsozialisten in Ostpreußen Tausende baltisch, prußisch oder litauisch klingende Ortsnamen durch „deutsch klingende“ ersetzten. „Walterkehmen“ enthält die litauische Endung für Gehöft oder Dorf, auf Litauisch heißt der Ort bis heute Valterkiemis. Nach 1945 kam das nördliche Ostpreußen zur Sowjetunion. Die deutsche Bevölkerung floh oder wurde vertrieben, und 1946 erhielt der Ort den Namen Olchowatka. Die Kirche diente später als Mischfutterlager. Sie steht noch, wird aber nicht mehr als Gotteshaus genutzt.

Groß Waltersdorf im Sudetenland, heute Velká Střelná

Im mährischen Niederen Gesenke, etwa 30 Kilometer nordöstlich von Olmütz, lag bis Mitte des 20. Jahrhunderts Groß Waltersdorf. Mit 2.064 Einwohnern im Jahr 1910 war es weit größer als unser Dorf. Der Ort lebte vom Schieferbergbau.

1945/46 wurde die deutsche Bevölkerung vertrieben. 1947 begann die Räumung des Dorfes für den Truppenübungsplatz Libavá. An Silvester 1969 brannte die Kirche ab, 1970 wurde das Dorf zerschossen. Groß Waltersdorf ist seitdem eine Wüstung. Das Gelände liegt im Sperrgebiet und ist nur einmal im Jahr zugänglich, am 1. Mai bei der Radtouristik-Aktion „Bílý kámen“. Am Platz der alten Kirche erinnert ein Denkmal an das Dorf.

Großwoltersdorf in Brandenburg

Mit o statt a schreibt sich die Gemeinde Großwoltersdorf im Landkreis Oberhavel, rund 75 Kilometer nördlich von Berlin. Sie gehört zum Amt Gransee und Gemeinden, liegt im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land und besteht seit dem Zusammenschluss am 27. September 1998 aus sechs Ortsteilen.

Im Ortsteil Zernikow steht das Gutshaus, in dem der Dichter Achim von Arnim als Kind oft seine Ferien verbrachte. Friedrich II. hatte das Gut 1740 seinem Kammerdiener Michael Gabriel Fredersdorff geschenkt. Fredersdorff ließ 1747 eine Maulbeerplantage und 1751 die Maulbeerallee anlegen, die heute unter Denkmalschutz steht. Am ersten Augustwochenende wird in Zernikow das Maulbeerfest gefeiert.

Vier Orte, vier Wege

Das sächsische Großwaltersdorf steht nach wie vor in seiner Landschaft. Das ostpreußische Walterkehmen trägt seit achtzig Jahren einen anderen Namen in einem anderen Staat. Vom mährischen Groß Waltersdorf ist nur die Erinnerung geblieben. Das brandenburgische Großwoltersdorf ist eine ruhige Gemeinde ohne große Brüche in ihrer Geschichte.