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Glück auf!

Zu Gast in Großwaltersdorf.de

Ein Dorf im Erzgebirge, seine Geschichte und was man hier erleben kann.

Kühe grasen auf einer grünen Sommerwiese
Kühe grasen auf einer grünen Sommerwiese im Erzgebirge.

Geschichte im Überblick

Wenn ein Deutscher etwas wirklich Spannendes beschreiben möchte, sagt er oft: „Das ist fast so spannend wie die Geschichte von Großwaltersdorf.“ Noch nie gehört? Dann wird es höchste Zeit.

Feldweg neben einem jungen Getreidefeld, links ein Laubwäldchen, in der Ferne Häuser des Dorfes, ein gelbes Rapsfeld und Hügel.
Blick auf Großwaltersdorf

Hinweis zu den Bildern: Sie sehen hier sehr alte Aufnahmen, einige aus den 1990er-Jahren, andere aus den frühen 2000ern. Die Originale werden derzeit herausgesucht und um neuere Bilder ergänzt.

Die Anfänge von Großwaltersdorf

Irgendwann im 12. oder 13. Jahrhundert entstand Großwaltersdorf, gewissermaßen als Kind von Vater Wald und Mutter Natur. Eine Geburtsurkunde haben die Eltern nie ausgestellt. Die ersten Siedler mussten dem Wald Äcker abringen und Häuser bauen und hatten für Chroniken keine Zeit. Dokumente aus diesen Jahren gibt es deshalb nicht.

Die erste urkundliche Erwähnung stammt von 1378. Großwaltersdorf war damals ein Reihendorf mit Waldhufen: Jeder Bauer besaß einen langen, schmalen Streifen Land, der von seinem Hof bis zum Wald reichte.

Mehr über diese Siedlungsformen steht in der Wikipedia:

Über Jahrhunderte gehörte Großwaltersdorf als Amtsdorf zum Amt Augustusburg, das früher Amt Schellenberg hieß. Verwaltet wurde es vom gleichnamigen Schloss aus, das Kurfürst August ab 1568 an der Stelle der alten Burg Schellenberg bauen ließ. Dabei blieb es bis ins 19. Jahrhundert.

Verkehrswege und Wohlstand: Salz und Silber

Großwaltersdorf lag nahe an wichtigen Handelswegen und wurde dadurch zu einem belebten Dorf. Eine der Salzstraßen, der Autobahnen des Mittelalters, führte am Ort vorbei. Fuhrleute konnten hier ihre müden Pferde gegen frische tauschen, Quellwasser trinken und ihre Wagen reparieren lassen. Ein kurzes Stück dieser Route heißt noch heute „Alte Salzstraße“.

Mehr zu den Salzstraßen: Salzstraße in der Wikipedia, externes Angebot, öffnet in einem neuen Tab

Durch Großwaltersdorf verlief außerdem die „Alte Poststraße“ von Freiberg nach Annaberg, auf der Silbererz und andere Güter aus dem Erzgebirge transportiert wurden.

Drei Kilometer westlich, bei Eppendorf, steht ein Königlich-Sächsischer Meilenstein. Solche Steine wurden zwischen 1859 und 1866 aufgestellt. Er stammt also nicht aus der Postkutschenzeit des Barock, zeigt aber, wo die alte Straße verlief, und ist ein schönes Ziel für einen Sonntagsspaziergang.

Tod, Pest und Katastrophen

Im Dreißigjährigen Krieg wütete in Großwaltersdorf die Rote Ruhr und tötete etwa ein Fünftel der Einwohner. Auch die Pest kam mehrmals. Die Ortschronik nennt 1613, 1614, 1626, 1640 und 1641 als besonders schwere Seuchenjahre. 1626 legte das Dorf einen zusätzlichen Pestfriedhof an, weil die Begräbnisplätze nicht mehr reichten.

Wer solche Jahrzehnte übersteht, wird zäh. Im Dorf sagt man dazu, frei nach Nietzsche und mit einem Grinsen: „Was den Großwaltersdorfer nicht umbringt, härtet ihn ab.“

Kriege und Kampfgeist

Sachsen liegt mitten in Europa, und so zogen immer wieder fremde Heere durchs Land und durch Dörfer wie Großwaltersdorf. Der Ort erlebte den Dreißigjährigen Krieg (1618–1648), den Siebenjährigen Krieg (1756–1763), den Sächsischen Bauernaufstand von 1790, die Befreiungskriege (1813–1815) mit der Völkerschlacht bei Leipzig und die beiden Weltkriege.

Die Erzgebirgler haben das mit der Beharrlichkeit überstanden, die man ihnen nachsagt. Geblieben ist auch ihre Direktheit. „Die Sachsen lassen es spüren, was sie denken“, heißt es. Wer einmal einen Handwerker aus der Gegend nach seiner Meinung gefragt hat, weiß, was gemeint ist.

Der Großbrand von 1837

Am 16. September 1837 zerstörte ein Großbrand einen erheblichen Teil des Ortes. Pfarrhaus, Schule, Kirche, Lehngericht und Schänke brannten nieder, dazu viele weitere Gebäude. Eine organisierte Feuerwehr gab es noch nicht. Gelöscht wurde mit Eimerketten und mit den Geräten, die die Nachbarn herbeischaffen konnten. Der Wiederaufbau dauerte Jahre und bestimmt das Ortsbild bis heute. Auch die Kirche verdankt ihm ihr Aussehen.

Eine alte Redensart warnt: Mit Feuer, Wasser, Weib und Licht ist nicht zu spaßen. In Großwaltersdorf heißt es dagegen: „Feuer, Weib und Licht sind für Großwaltersdorfer nichts.“ Vermutlich entstand der Satz in einer Runde, in der schon einige Biere getrunken waren. Die Freiwillige Feuerwehr nimmt die Sache seit 1931 deutlich ernster.

Wo früher die Fabriken standen

Ende des 19. Jahrhunderts erreichte die Industrialisierung auch Großwaltersdorf. Zeitweise gab es im Dorf eine Spinnerei, eine Zigarettenfabrik und mehrere holzverarbeitende Betriebe. Ab 1916 half der Bahnanschluss, denn Lastwagen konnten damals weder die Mengen noch die Gewichte bewegen, die eine Schmalspurbahn schaffte.

Von diesen Betrieben ist wenig geblieben. Einige Gebäude werden anders genutzt, andere sind verschwunden. Sie erklären aber, warum ein kleines Erzgebirgsdorf einmal einen eigenen Bahnhof bekam.

Ein sozialistisches Intermezzo

Anfang der 1960er-Jahre war Großwaltersdorf ein „vollgenossenschaftliches Dorf“, die gesamte Landwirtschaft war also in LPGs organisiert. Nach der friedlichen Revolution von 1989 und der Wiedervereinigung bekam das Dorf eine neue Hauptstraße, eine zentrale Kläranlage und ein modernes Telefonnetz. Auch die Landwirtschaft ordnete sich neu. Einige Familien nahmen ihre Höfe wieder in Betrieb, und es entstand eine Agrarzuchtgesellschaft, aus der 1995 zwei selbstständige Betriebe hervorgingen.

Wasser, Wende und Eingemeindung

1992 zog ein Hochwasser durchs Dorf. Keller liefen voll, und auf den Straßen und in den Gärten blieb der Schlamm liegen. Die Großwaltersdorfer rückten zusammen und räumten gemeinsam auf.

Am 1. Oktober 1998 endete die politische Selbstständigkeit. Großwaltersdorf wurde in die Gemeinde Eppendorf eingegliedert und ist seitdem keine Gemeinde im Rechtssinn mehr.

Vielen im Dorf fiel das schwer. Das eigene Rathaus schloss, und mit jedem Anliegen musste man nun in den Nachbarort zu Leuten, die man kaum kannte. Viele fürchteten, als kleiner Ortsteil stiefmütterlich behandelt zu werden, und hätten sich eine andere Lösung gewünscht.

Der Zeitpunkt hatte einen Grund. Sachsen hatte 1990 mehr als 1.600 Gemeinden und damit zu viele für eine leistungsfähige Verwaltung. Heute sind es rund 420. Der Freistaat setzte zunächst auf freiwillige Zusammenschlüsse und regelte den Rest per Gesetz. Die Gemeindegebietsreformgesetze vom Oktober 1998 traten am 1. Januar 1999 in Kraft. Großwaltersdorf ging drei Monate früher, also vermutlich noch aus eigenem Entschluss und mit selbst gewähltem Partner. Das benachbarte Kleinhartmannsdorf gehörte da schon seit dem 1. Oktober 1995 zu Eppendorf.

Eine Bedingung, so erzählt man im Dorf, hätten die Großwaltersdorfer damals gestellt: Das „D“ vor „Eppendorf“ solle gestrichen werden. In den Akten steht davon nichts, aber der Satz hält sich hartnäckig.

Heute vertritt ein Ortschaftsrat die Interessen Großwaltersdorfs in der Gemeinde. Er wird nach denselben Regeln gewählt wie ein Gemeinderat und entscheidet über ein eigenes Budget, das ihm der Gemeinderat zuweist. Der Zusammenschluss hat sich eingespielt, auch wenn das Dorf seine eigene Geschichte nicht vergessen hat.

Seit 2010 gibt es in Großwaltersdorf Breitbandinternet. Seit 2022 steht eine 5G-Basisstation im Ort, und einige Haushalte testen Starlink. Am Glasfasernetz wird gebaut, ein Termin für die Fertigstellung steht noch nicht fest.

Was auf eigenen Seiten steht

Drei Kapitel der Dorfgeschichte haben eigene Seiten bekommen: der Bergbau mit der Schmirgelgrube des 18. Jahrhunderts und den Uranschächten von 1950, die Schmalspurbahn, die von 1916 bis 1951 fuhr, und das 625-Jahre-Fest von 2003.

Großwaltersdorf gibt es übrigens noch dreimal: Orte mit gleichem Namen.