Ein Dorf im Erzgebirge, seine Geschichte und was man hier erleben kann.
Windkraftanlage bei Großwaltersdorf im Winter mit verschneiter Landschaft.
Die Schmalspurbahn
Am 1. November 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, bekam Großwaltersdorf einen Bahnanschluss. Die Schmalspurbahn von Hetzdorf nach Eppendorf mit 750 Millimetern Spurweite fuhr schon seit dem 1. Dezember 1893. Nun wurde sie um knapp vier Kilometer verlängert, damit die Bauern der Gegend ihre Erzeugnisse abtransportieren konnten. Die ganze Linie war damit knapp vierzehn Kilometer lang. Im Dorf hieß sie nur „Bimmelbahn“. Der Legende nach lief damals alles reibungslos: Der Mann am Schalter konnte Fragen beantworten, und die Züge waren pünktlich.
Die Rollerbahn, die auf einem Teil der Bahntrasse verläuft
Hinweis zu den Bildern: Sie sehen hier sehr alte Aufnahmen, einige aus den 1990er-Jahren, andere aus den frühen 2000ern. Die Originale werden derzeit herausgesucht und um neuere Bilder ergänzt.
Die Eisenbahnzeit dauerte nur 35 Jahre. Am 1. August 1951 stellte die Deutsche Reichsbahn den Verkehr zwischen Eppendorf und Großwaltersdorf ein und baute die Gleise ab. Offiziell brauchte sie das Material für den Berliner Außenring. Schon die Eisenbahnliteratur hält das für einen Vorwand, denn abgefahrene Schmalspurgleise dürften dem Außenring wenig genützt haben.
Die Älteren im Dorf erzählen es anders: Die Schienen seien als Reparation in die Sowjetunion gegangen. Sie schmunzeln dabei und stellen sich vor, wie ihre sächsischen Schienen irgendwo in der russischen Weite weiter Dienst tun. Was wirklich geschah, lässt sich kaum noch klären. Seit 1951 fährt in Großwaltersdorf jedenfalls kein Zug mehr. Das Reststück zwischen Hetzdorf und Eppendorf wurde zum 1. Januar 1968 stillgelegt.
Der Bahnhof lag an der Gränitzer Straße gegenüber der Kirche. Er hatte drei Gleise zwischen Wartehalle und Ladestraße, ein Empfangsgebäude, einen Güterschuppen, ein Wohnhaus und einen Freiabtritt. Am nordwestlichen Ortsrand, direkt über dem Weißbach, gab es einen zweiten Halt, den Haltepunkt Großwaltersdorf. Seine hölzerne Wartehalle wurde 2002 abgerissen, heute stehen dort Wertstoffcontainer.
Gezogen wurden die Züge anfangs von Lokomotiven der sächsischen Gattung I K, später von der III K und vor allem von der IV K, die ab 1892 in der Sächsischen Maschinenfabrik in Chemnitz gebaut wurde. Stammloks der Strecke waren die 99 518, 530, 535, 551, 563, 566 und 567. Als letzte verließen die 99 535 und die 99 551 die Strecke. Zwei Loks gibt es noch: Die 99 535 steht im Verkehrsmuseum Dresden, die 99 566 im Sächsischen Eisenbahnmuseum Chemnitz-Hilbersdorf.
Im Dorf sind noch Spuren der Bahn zu finden. Empfangsgebäude, Güterschuppen, Wohnhaus und sogar der Abort an der Gränitzer Straße stehen bis heute. Auf dem früheren Bahnhofsgelände haben sich Gewerbebetriebe angesiedelt, und auch der Kindergarten „Regenbogen“ liegt dort. Auf einem Teil der Trasse verläuft die Rollerbahn des Skivereins.
In Eppendorf sind an der Bahnhofstraße Empfangsgebäude, Wirtschaftsgebäude, Wohnhaus und Lokschuppen erhalten. Das Bahnhofsgelände dient als Busbahnhof. Der Verein Altes Bahnhofsviertel Eppendorf e. V. hat das Empfangsgebäude vor dem Abriss bewahrt, heute ist es ein Kultur- und Gemeindezentrum. 2011, zur 675-Jahr-Feier Eppendorfs, stand dort auf einem eigens verlegten Gleis noch einmal eine Dampflok unter Dampf, die 99 590 der Preßnitztalbahn.