Bergbau in Großwaltersdorf
Beim Erzgebirge denkt man an Silber, Zinn, Blei und Kobalt. In Großwaltersdorf gab es davon nichts, jedenfalls nicht in Mengen, die den Abbau gelohnt hätten. Trotzdem gehört das Dorf zweimal zur sächsischen Bergbaugeschichte: im 18. Jahrhundert mit einer Schmirgelgrube und 1950 mit einer kurzen Uransuche der Wismut.
Hinweis zu den Bildern: Sie sehen hier sehr alte Aufnahmen, einige aus den 1990er-Jahren, andere aus den frühen 2000ern. Die Originale werden derzeit herausgesucht und um neuere Bilder ergänzt.
Schmirgel, Silber und ein Hofgoldschmied
Schmirgel ist ein natürliches Schleif- und Poliermittel aus granathaltigem Gestein. Metallhandwerker und Edelsteinschleifer brauchten ihn, und im 18. Jahrhundert wurde er zwischen Großwaltersdorf und Lippersdorf abgebaut. 1738 heißt das Bergwerk in den Akten „Schmirgel-Werck“, 1744 bekam es den barocken Namen „Grün gelobter Tannebaum“. Im Dorf kennt man es als „Grüne Tanne Fundgrube“.
Die Grube lag bei der Flurstelle „Teufelshäuser“ und wurde im Tagebau betrieben. Als Eigner ist der Dresdner Kaufmann Christian Friedrich Muquard überliefert, der sie bis etwa 1750 führte. Danach endete der Abbau, und das Schürffeld verfiel. Gefördert wurden vor allem Eklogit und Granatglimmerschiefer. Beide Gesteine können viel Granat enthalten und eignen sich zerkleinert gut zum Schleifen.
Dieses Gestein lässt sich auch ohne Grube ansehen. Am Rand des Röthenbacher Waldes zwischen Eppendorf und Großhartmannsdorf steht der Eklogitfelsen, ein Flächennaturdenkmal.
Als einer der Hauptgewerken der Grube wird Johann Melchior Dinglinger (1664–1731) genannt, der Hofgoldschmied Augusts des Starken. Die Daten passen allerdings nicht zusammen, denn Dinglinger starb 1731, und das Bergwerk ist erst ab 1738 aktenkundig. Entweder gab es einen älteren, nicht dokumentierten Betrieb, an dem er oder seine Erben beteiligt waren, oder gemeint ist ein Nachkomme. Belegt ist die Verbindung bisher nicht. Mir gefällt die Vorstellung trotzdem, dass sich ein Mann, dessen Werke heute im Grünen Gewölbe in Dresden stehen, einmal mit einem Erzgebirgsdorf befasst hat.
Bilder von der früheren Grubenstelle finden Sie in der Bildergalerie unter „Grüne Tanne“.
Was heute von der Grube zu sehen ist
Im Gelände auf dem Lippersdorfer Berg ist von der Grube kaum noch etwas zu erkennen. Wer die Stelle kennt, findet Vertiefungen im Boden und hier und da ein Stück Aushub. Drei Birken markieren ungefähr den Ort.
Uran am Diebsteig
Nach 1945 suchte die Sowjetunion im Erzgebirge nach Uran für ihr Atomwaffenprogramm. 1947 gründete die Sowjetische Militäradministration dafür die Sowjetische Aktiengesellschaft Wismut. 1954 wurde daraus die Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft (SDAG) Wismut, an der die DDR zur Hälfte beteiligt war. Bis 1990 förderte die Wismut rund 220.000 Tonnen Uran. Nur die UdSSR, die USA und Kanada produzierten mehr.
Im Sommer 1950 kam die Wismut nach Großwaltersdorf. Am Diebsteig am Dorfrand wurden zwei etwa 30 Meter tiefe Schächte abgeteuft, von denen je drei Stollen von 25 bis 30 Metern Länge abgingen. Bis zu 15 Bergleute arbeiteten dort in drei Schichten. Das Erz ging zur Analyse nach Freiberg.
Die Ausbeute blieb weit unter den Erwartungen. Die Erkundung wurde eingestellt, die Schächte wurden aufgegeben und verfüllt. Vor Ort erinnert nichts mehr daran. Nur die Älteren erzählen noch von den Jahren, in denen auch am Diebsteig „eingefahren“ wurde. Heute stehen dort die beiden Windräder.
Die Angaben zu Schächten, Stollen und Belegschaft stammen aus örtlicher Überlieferung. Schriftliche Belege habe ich bisher nicht gefunden, und auch die Dauer der Erkundung ist unklar.